Die Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) ist eine Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung, die Menschen erhalten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, ihren bisherigen Beruf oder eine vergleichbare Tätigkeit auszuüben.
Doch wann genau besteht ein Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Was ist der Unterschied zwischen einer vollen und einer teilweisen Erwerbsminderung?
All diese Fragen beantworten wir in unserem Artikel.
Arten der Erwerbsminderungsrente
Welche Voraussetzungen müssen für eine Erwerbsminderungsrene (EM-Rente) erfüllt sein? Wie viel Geld gibt es?
Es gibt zwei Arten der Erwerbsminderungsrente:
- Volle Erwerbsminderungsrente
Eine volle Erwerbsminderungsrente wird gewährt, wenn der Versicherte wegen Krankheit oder Behinderung weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann.
- Teilweise Erwerbsminderungsrente
Eine teilweise Erwerbsminderungsrente wird gewährt, wenn der Versicherte zwar noch mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kann.
Anspruchsvoraussetzungen
Um eine Erwerbsminderungsrente zu erhalten, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
- Mindestversicherungszeit
Der Versicherte muss mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Dies ist die allgemeine Wartezeit. Als Wartezeit zählen auch Zeiten der Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Krankheit und Arbeitslosigkeit – soweit es sich um Pflichtbeitragszeiten handelt.
- Erwerbsunfähigkeit
Die Erwerbsunfähigkeit muss durch ein ärztliches Gutachten festgestellt werden. Dabei wird geprüft, ob der Versicherte aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen eine Erwerbstätigkeit ausüben kann. Es kommt bei der Frage, wie lange eine Erwerbstätigkeit ausgeübt werden kann, kommt es nicht auf den erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf an, sondern es ist jede Art von Erwerbstätigkeit maßgebend.
Das ärztliche Gutachten wird durch den medizinischen Dienst der Rentenkasse erstellt. Das geschieht meist auf der Basis von Akten und den eingereichten Unterlagen, insbesondere auch Stellungnahmen von behandelnden Fachärzten.
Dauer der EM-Rente
Die Erwerbsminderungsrente kann erst ab dem 18. Lebensjahr beantragt werden. Sie wird immer nur auf Zeit gewährt, ist also befristet. 4 Monate vor Fristablauf sollte ein neuer Antrag auf Verlängerung der EM-Rente gestellt werden.
Berechnung der Höhe der Erwerbsminderungsrente
Die Höhe der Erwerbsminderungsrente wird nach dem sogenannten Rentenartfaktor berechnet. Dieser Faktor hängt von der Art der Erwerbsminderung, der Höhe der bisherigen Einkünfte und der Höhe der gesetzlichen Rentenversicherungsbeiträge ab. Außerdem spielt die Zurechnungszeit eine Rolle. Die Zurechnungszeit ist eine fiktive Zeitspanne, in der der Versicherte als erwerbsfähig angenommen wird. Sie wird bei der Berechnung der Erwerbsminderungsrente berücksichtigt.
Es werden also die vorhandenen Renten-Entgeltpunkt addiert und der Durchschnitt des Verdienst der letzten 5 Jahre gebildet. Dann wird (fiktiv) davon ausgegangen, dass man mit dem Durchschnittsverdienst bis zum Erreichen der regulären Altersrente gearbeitet habe (Zurechnungszeit). Von diesem fiktiven Verdienst werden gleichfalls Rentenentgeltpunkte berechnet. Diese werden mit den Entgeltpunkten vor Eintritt der Erwerbsminderung addiert. Aus der Summe wird die Höhe der EM-Rente berechnet.
Höhere Zurechnungszeit bei EM-Rente
Seit 2019 wurde die Erwerbsminderungsrente verbessert. Es wird nun so berechnet, als habe man länger gearbeitet. Die Zurechnungszeiten sind verlängert worden. Wir haben das in nachfolgender Tabelle dargestellt:
Geburtsjahrgang | Beginn der Erwerbsminderung | Ende der Zurechnungszeit |
1952 und früher | vor dem 01.07.2014 | 60 Jahre und 6 Monate |
1953 bis 1955 | vor dem 01.07.2014 | 61 Jahre und 3 Monate |
1956 bis 1958 | vor dem 01.07.2014 | 62 Jahre |
1959 bis 1961 | ab dem 01.07.2014 | 62 Jahre und 3 Monate |
1962 bis 1964 | ab dem 01.07.2014 | 62 Jahre und 6 Monate |
1965 bis 1967 | ab dem 01.07.2014 | 62 Jahre und 9 Monate |
1968 bis 1970 | ab dem 01.07.2014 | 63 Jahre und 2 Monate |
1971 bis 1973 | ab dem 01.07.2014 | 63 Jahre und 5 Monate |
1974 bis 1976 | ab dem 01.07.2014 | 63 Jahre und 8 Monate |
1977 bis 1979 | ab dem 01.07.2014 | 64 Jahre |
1980 bis 1982 | ab dem 01.07.2014 | 64 Jahre und 3 Monate |
1983 bis 1985 | ab dem 01.07.2014 | 64 Jahre und 6 Monate |
1986 bis 1988 | ab dem 01.07.2014 | 64 Jahre und 9 Monate |
1989 bis 1991 | ab dem 01.07.2014 | 65 Jahre und 2 Monate |
1992 bis 1994 | ab dem 01.07.2014 | 65 Jahre und 5 Monate |
1995 bis 1997 | ab dem 01.07.2014 | 65 Jahre und 8 Monate |
1998 bis 2000 | ab dem 01.07.2014 | 66 Jahre |
2001 bis 2003 | ab dem 01.07.2014 | 66 Jahre und 3 Monate |
2004 bis 2006 | ab dem 01.07.2014 | 66 Jahre und 6 Monate |
2007 bis 2009 | ab dem 01.07.2014 | 66 Jahre und 9 Monate |
2010 bis 2012 | ab dem 01.07.2014 | 67 Jahre |
Hinzuverdienst zur EM-Rente
Beim Bezug einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung ergibt sich ab Januar 2024 eine jährliche Mindesthinzuverdienstgrenze von 37.117,50 Euro, bei Renten wegen voller Erwerbsminderung sind es 18.558,75 Euro.
Wird mehr hinzuverdient, mindert sich die Rente.
Bürgergeld und Erwerbsminderungsrente
Wenn die Erwerbsminderungsrente nicht ausreicht, um den Lebensunerhalt zu bestreiten, kann ergänzend Bürgergeld beantragt werden. Das gilt jedoch nur bei einer teilweisen Erwerbsminderungsrente. Denn Bürgergeld wird nur bei Erwerbsfähigkeit gewährt. Man muss mindestens 3 Stunden am Tag arbeiten können.
Bei einer vollen EM-Rente ist das nicht der Fall. Reicht diese nicht aus, so kann ergänzend Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung beantragt werden.
Fazit zur Erwerbsminderungsrente
Die Erwerbsminderungsrente ist eine wichtige soziale Sicherung für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, ihren Beruf bzw. eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Die Höhe der Rente wird individuell berechnet und hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Quellen
Eigene Recherche
Sabine Martholt hat Recht und Journalismus studiert und fundierte Kenntnisse im Bereich des Sozialrechts und des Rentenrechts. Beide Rechtsgebiete sind gleichzeitig ihr Hobby, wie sie gern verrät. Bereits vor ihrem ersten Volontariat bei einer Zeitung hat sie sich dem Schreiben gewidmet. Die Entwicklung des Sozialrechts in Deutschland hat sie mit großer Aufmerksamkeit, manchmal aber auch mit Kopfschütteln verfolgt – wie sie selbst sagt. Sie schreibt seit vielen Jahren für unser Online-Magazin. Gute Recherche und die eigene Meinung – beides ist ihr wichtig.