Viele Städte und Gemeinden in Deutschland bieten einen Sozialpass an. Das liest sich gut. Doch es stellt sich die Frage: Wer hat Anspruch auf einen Sozialpass und welche Vergünstigungen bietet er?
Antworten hierauf und weitere Infos rund um den Sozialpass in den Gemeinden finden Sie hier auf Bürger & Geld!
Was ist der Sozialpass?
In welchen Gemeinden kann der Sozialpass beantragt werden? Und: was ist das überhaupt, der Sozialpass?
Der Sozialpass ist eine freiwillige kommunale Leistung, die einkommensschwachen Familien und Bürgern hilft, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Er bietet Ermäßigungen für kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Angebote, fördert Mobilität durch ermäßigte Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs und ermöglicht die Teilnahme an Bildungsangeboten.
Wer hat Anspruch auf den Sozialpass?
Der Anspruch auf den Sozialpass variiert je nach Kommune, jedoch gibt es einige allgemeine Kriterien, die in vielen Regionen gelten:
Empfänger von Sozialleistungen:
SGB II (Arbeitslosengeld II/Hartz IV/ Bürgergeld): Personen, die Bürgergeld bzw. Grundsicherung für Arbeitssuchende beziehen
SGB XII (Sozialhilfe): Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG): Asylbewerber, die entsprechende Leistungen erhalten
Personen mit geringem Einkommen:
In einigen Kommunen sind auch Personen mit einem Einkommen unter bestimmten Grenzen berechtigt, z.B. analog zu den Bedarfssätzen des SGB II plus 10 % oder unter der Pfändungsfreigrenze.
Familien mit Kindern:
- Familien mit mehreren kindergeldberechtigten Kindern, oft ab drei Kindern
- Alleinerziehende mit mindestens zwei Kindern unter 15 Jahren
Weitere Gruppen:
- Schwerbehinderte mit einem Behinderungsgrad von mindestens 80 % oder Familien mit einem schwerbehinderten Kind (mindestens 50 % Behinderungsgrad)
- Wohngeldempfänger mit mehreren Kindern
- Studierende in einigen Kommunen
Einkommensgrenzen:
- In Heidelberg z.B. gelten Nettoeinkommensgrenzen von 1.215 Euro für Einpersonenhaushalte und 1.985 Euro für Dreipersonenhaushalte.
Die spezifischen Anspruchsvoraussetzungen können je nach Kommune variieren, daher ist es ratsam, sich direkt bei der lokalen Verwaltung zu informieren.
Welche Leistungen erhält man mit dem Sozialpass?
Der Sozialpass bietet eine Vielzahl von Leistungen, die je nach Kommune variieren können. Hier sind einige der häufigsten Leistungen, die durch den Sozialpass angeboten werden.
Leistungen des Sozialpasses:
- Mobilität:
- Ermäßigungen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), z.B. günstigere Monatskarten oder Einzelfahrten
- In einigen Fällen sind die Ermäßigungen im ÖPNV nicht zwingend Teil des Sozialpasses
- Freizeitgestaltung:
- Ermäßigte Eintrittspreise für Freibäder, Zoos, Museen, Theater und Sporthallen
- Gutscheine für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte oder Theateraufführungen.
- Bildung:
- Ermäßigungen oder kostenlose Teilnahme an Kursen der Volkshochschule
- Unterstützung bei der Nutzung von Bildungsangeboten.
- Kinderbetreuung:
- Ermäßigungen für Kindertageseinrichtungen oder Schule.
- Nahrung und Kleidung:
- Zugang zu Tafeln, Kleiderkammern und Sozialkaufhäusern.
- Sonstige Leistungen:
- Kostenlose Mitgliedschaft in der Stadtbibliothek.
- Gutscheine für Messen oder andere lokale Veranstaltungen.
Diese Leistungen können je nach Kommune unterschiedlich ausfallen und sind oft auf die örtlichen Bedürfnisse und Angebote abgestimmt.
In welchen Landkreisen und Kommunen gibt es den Sozialpass?
Der Sozialpass ist in mehr als hundert Städten und Landkreisen in Deutschland verfügbar. Hier einige Regionen und Städte, in denen der Sozialpass verfügbar ist.
Gibt es in Ihrer Stadt oder Gemeinde einen Sozialpass? Schreiben Sie es in einem Kommentar!
Beispiele für Kommunen mit Sozialpass
1. Baden-Württemberg:
– Heidelberg: Heidelberg-Pass
– Stuttgart: SozialTicket
– Tübingen: Sozialpass
– Überlingen: Sozialpass
– Ehningen: Sozialpass
2. Nordrhein-Westfalen:
– Bielefeld: Bielefeld-Pass
– Bonn: Sozialpass
– Köln: Sozialpass
3. Sachsen:
– Freiberg: Sozialpass
– Meißen: Sozialpass
4. Thüringen:
– Eisenach: Sozialpass
– Bad Berka: Sozialpass
5. Schleswig-Holstein:
– Eckernförde: Sozialpass
– Barmstedt: Sozialpass
6. Hessen:
– Bensheim: Sozialpass
7. Berlin:
– Sozialpass für Leistungsbezieher nach SGB II, SGB XII oder AsylbLG
8. Brandenburg:
– Eberswalde: Sozialpass
9. Rheinland-Pfalz:
– Ingelheim am Rhein: Sozialausweis
Die genaue Verfügbarkeit und die spezifischen Bedingungen für den Sozialpass können je nach Region variieren, da die Zugangskriterien und angebotenen Leistungen von Stadt zu Stadt unterschiedlich sind.
Wie beantragt man einen Sozialpass?
Der Sozialpass ist in der Regel für Personen gedacht, die staatliche Sozialleistungen beziehen, wie z.B. Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Sozialhilfe. In einigen Kommunen können auch Familienangehörige ohne ausreichendes Einkommen berechtigt sein.
Um einen Sozialpass zu beantragen, müssen Sie folgende Schritte befolgen:
Zuständigkeit ermitteln
Der Sozialpass wird von den Kommunen angeboten, daher müssen Sie die zuständige Stelle in Ihrer Stadt oder Ihrem Landkreis ermitteln. Dies ist meist das Bürgerbüro oder das Jobcenter bzw. Sozialamt. Nutzen Sie das Online-Portal Ihrer Gemeinde oder wenden Sie sich direkt an das Rathaus oder das Sozialamt, um die für den Antrag zuständige Stelle zu ermitteln.
Besorgen Sie die erforderlichen Unterlagen:
- Aktueller Bewilligungsbescheid für die Sozialleistungen.
- Gültiger Personalausweis.
- Bei Asylbewerbern: Gültige Aufenthaltsgenehmigung
Antragsformular
Es muss ein Antragsformular für den Sozialpass ausgefüllt werden. In vielen Fällen können Sie das Antragsformular als PDF online herunterladen.
Antragstellung
Der Antrag kann in der Regel persönlich bei der zuständigen Stelle gestellt werden. Man kann ihn oft aber auch online oder per Email stellen.
Verlängerung
Der Sozialpass gilt in der Regel für ein Kalenderjahr und kann verlängert werden, wenn die Voraussetzungen weiterhin vorliegen.
Quelle
Verein für soziales Leben e.V.